Verkehr

"Kampf-Radler" - und es gibt sie doch

27.7.2020/ Normalerweise zählen Radfahrer zu den sogenannten schwachen Verkehrsteilnehmern. Aber in der Spezies der Radler gibt es eine besondere Unterart, den Kampf-Radler. Alles, was nur halbwegs nach Radweg aussieht, gehört ihm allein - Fußgänger, Walker, Kinder im oder außerhalb des Kinderwagens und Hunde haben für ihn eigentlich auf solchen Wegen nichts verloren, dürfen allenfalls Spalier stehen, wenn er vorbeirauscht - gern sich von hinten unbemerkt, aber in hohem Tempo nähernd. Überflüssig zu sagen, dass sich an seinem Fahrrad keine Klingel befindet - braucht ja auch nicht, weil es die menschlichen oder tierischen Hindernisse auf "seinen" Wegen ja sowieso nicht geben darf. Und, ebenfalls überflüssig zu sagen, § 1 Abs. 1 der Straßenverkehrsordnung ("Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.") ist nur für alle anderen ins Gesetz geschrieben worden. Ach ja, der Kampf-Radler ist männlich, immer nur männlich. Höflichkeit, gesittete Sprache, Danke und Bitte sind nicht in seinem Repertoire. Die gängigen Floskeln sind "Platz da!", "Was fällt dir ein!?", "Geh' aus dem Weg!", "Nimm gefälligst den Köter an die Leine!", und diese Worte werden gern noch mit dem ausgestreckten Mittelfinger garniert. Muss das eigentlich sein? Nein, muss nicht. Niemand kann es auf einem Radweg oder ähnlichem Weg so eilig haben, dass er recht unverhohlen damit drohen zu dürfen glaubt, den Hund nächstens zu überrollen, "und mal sehen, wie das dem Hund bekommt - mein Rahmen ist karbon-verstärkt!" (Mir so passiert.) Ab und an sollte sich doch jeder Verkehrsteilnehmer an die Aussage des § 2 der Straßenverkehrsordnung erinnern "Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird."

Was soll ein Mobilstationen-Netz leisten?

Mobil-Station an der Haltestelle Mitte

4.6.2020/ Mobilität und Verkehr waren und sind Schlüsselbegriffe unserer Zeit. In der kritischsten Phase der CoV-2 Pandemie war das gut zu beobachten: Der Verkehr auf Straße und Schiene nahm ab, der Datenverkehr nahm zu. Der Lärm nahm ab, die Luft wurde sauberer. Jetzt ist auf Straße und Schiene wieder fast "Normal"-Zustand erreicht, also laut, belastete Luft und Stau. Diese Entwicklungen sind Anlass genug die Mobilität auf Straße und Schiene einerseits und die digitalen Möglichkeiten (Datenverkehr, siehe Home-Office) zu überdenken. Lassen wir das Digitale einmal beiseite und konzentrieren uns auf die Mobilität. Der Rhein-Sieg-Kreis ("RSK") hat damit begonnen, ein Mobilstationen-Feinkonzept mit den Kommunen abzustimmen. Mobilstationen sind definiert als "Verknüpfungspunkte mehrerer Verkehrsträger mit entsprechenden Ausstattungsmerkmalen sowie Aufenthaltsqualitäten"; mit anderen Worten sind das Umsteigepunkte von einem Verkehrsmittel auf ein anderes, die so angelegt bzw. ausgestattet sind, dass der Umstieg problemlos, ohne Zeitverlust und ohne dass man im Regen steht, von statten gehen kann, und ohne dass das für die Anreise bis dahin benutzte Fahrrad bei der Rückkehr verschwunden oder skelettiert ist. In der Regel geht es dabei um den Umstieg von einem Verkehrsmittel des IV (Individualverkehrs) - also Füße, Skateboard, Roller, Rad, Krad, Auto und Rollstuhl - auf ein Verkehrsmittel des ÖPV (öffentlicher Personenverkehr). Wenn ein Netz von Mobilstationen an vielen Orten aufgebaut ist, und wenn wir Leihsysteme (Car-Sharing, Leihräder, Leihroller) mitdenken, wird dadurch ein hoher Grad an individueller Mobilität erreicht werden, ohne dass von A nach B immer nur das Auto und das immer nur besetzt mit jeweils einer Person benutzt werden muss.

Für den RSK sind zwischen Kreis und Kommunen 72 Mobilstationen abgesprochen. Einige Mobilstationen existieren schon (Beispiel: Sankt Augustin-Zentrum), für einige ist die Planung schon in einem fortgeschrittenen Stadium, und für andere gibt es schon eine Standort-Festlegung (z.B. Bahnhof Menden). Das alles wird viel Geld kosten und wird für die Kommunen nicht ohne Fördermittel zu stemmen sein. Leider hat SARS CoV-2 der gesamten Republik finanziell gesehen kräftig die Petersilie verhagelt. Dennoch: Packen wir's an! Denn die Realisierung dieses Konzeptes wird uns zusammen mit der Verstärkung der Home-Office-Arbeit ein Plus an Lebensqualität durch weniger Verkehrslärm und weniger Luftbelastung bescheren.

 

Lade-Infrastruktur für E-Fahrzeuge notwendig

20.5.2019/ Wer saubere Luft in Ballungsgebieten haben will, muss die Zahl der Individual-Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor verringern. Stattdessen müssen mehr E-Fahrzeuge zum Einsatz kommen, der öffentliche Nahverkehr muss attraktiver und das Radfahren komfortabler und sicherer gemacht werden. Speziell bei den E-Kraftfahrzeugen klemmt es aber, und zwar beim Anschaffungspreis und bei der zu geringen Dichte von Ladestationen. Allgemein bekannt ist, dass alle, die mit einem E-Auto liebäugeln, sich Sorgen über dessen Reichweite und die Entfernung zur nächsten Strom-Tankstelle machen. Deshalb hat der Aufbruch! im letzten Umwelt-, Planungs- und Verkehrsausschuss zu Protokoll erklärt: Sankt Augustin müsse in seinem Mobilitätskonzept der Planung einer Lade-Infrastruktur breiten Raum geben. Es genüge nicht, dass alle E-Autos an der Ladestation bei der privaten Wohnung versorgt werden können. Zusätzlich müsse im öffentlichen Raum ein Netz von Ladestationen aufgebaut werden, die an strategisch wichtigen Punkten stehen müssen. Dass dabei die von Nahversorgern für deren Kunden aufgebauten und noch geplanten Stationen mit berücksichtigt werden müssen, versteht sich von selbst. Nur so kann eine sinnvolle Verteilung von E-Ladesäulen im Stadtgebiet zustande gebracht werden.

 

VRS-Fahrpreise “nach Luftlinie“

Vom Aufbruch! schon 2011 gefordert

Schon Anfang des Jahres 2011 hat der Aufbruch! in einem Pressegespräch zu den “Fallstricken und Mogelpackungen“ des VRS-Tarifsystems auf die einzig richtige Lösung hingewiesen: der Fahrpreis muss nach Entfernung berechnet werden. Jetzt soll dieses Verfahren probeweise eingeführt werden. Es hat somit acht Jahre gebraucht, bis dieser Gedanke im Verkehrsverbund Rhein-Sieg einer Realisierung nahe kommt. “Da kann man nur ausrufen 'Bravo! Endlich!'“, stellt Edmund Heikaus nüchtern fest. Heikaus ist als sachkundiger Bürger für den Aufbruch! im Umwelt-, Planungs- und Verkehrsausschuss tätig. Er ärgert sich seit Jahren, dass er von seinem Wohnort Mülldorf bis zum nächsten Halt (Siegburg) nicht den Kurzstreckentarif nutzen kann, nur weil die Fahrt über die Stadtgrenze geht. “Wenn das jetzt in die Versuchsphase des 'eTarifs' geht, bin ich gern als Versuchskaninchen dabei und lasse mein Auto dann häufiger im Stall.“

Im Pressegespräch von 2011 hatte der Aufbruch! die “Tarif-Fallstricke und Absurditäten“ des Tarifsystems an einem Beispiel von vielen dargestellt (Linien, Haltestellen, Zeiten und Ticket-Kosten nach Stand 2011):

Die neue Linie 516 verbindet Birlinghoven direkt mit dem attraktiven Einkaufsstandort Hangelar. Was kostet diese Fahrt? Gemäß Aushang an der Haltestelle gilt für eine Fahrt von Sankt Augustin nach Sankt Augustin (wenn es nicht Kurzstrecke ist) die Preisstufe 1a = 2,10 € - ohne Wenn und Aber. Sucht man sich im Internet die Fahrzeiten heraus, erfährt man, dass die direkte Verbindung Birlinghoven – Hangelar (6,3 km) 3,50 € (=67 % mehr) kostet, weil dafür nämlich Preisstufe 2b angesetzt ist. Was tun, wenn Tarif-Auskünfte widersprüchlich sind? Man schaut in die offiziellen Tarifbestimmungen des VRS. Hier findet man auf Seite 39, dass eine Fahrt von Sankt Augustin nach Sankt Augustin Preisstufe 1a ist – ohne Wenn und Aber. Soweit so gut, stünde nicht auf S. 67 der VRS-Broschüre: 'Werden bei Fahrten zwischen dem Starttarifgebiet und dem Zieltarifgebiet Tarifgebiete befahren, die mit einer höheren Preisstufe erreichbar sind, ist der Preis der höheren Preisstufe maßgeblich'. Linie 516 fährt ja ca. 1 km (2 Haltestellen) durch Feindesland, sprich durch die Stadt Bonn, Stadtteil Hoholz. Also doch 2b? (Da Bonn als Großstadt gilt, reicht nicht Preisstufe 2a, sondern für Großstädte gilt Stufe 2b!) Man kann allerdings auch den Umweg über das Zentrum (Linien 66 und 535) nehmen – Streckenlänge 7,6 km statt 6,3 km auf der kürzesten Strecke. Diese um 1,3 km längere, in der Richtung Hangelar – Birlinghoven 9 min länger dauernde, mit Umsteigen verbundene und nur stündlich angebotene Verbindung ist tatsächlich preiswerter (Tarif 1a).Die kürzere Verbindung wird zudem häufiger angeboten, nämlich im Wesentlichen zweimal pro Stunde.“

 

Stellplätze für Caravans und Wohnanhänger fehlen in Sankt Augustin

25.2.2019/ Der Aufbruch! möchte dafür durch die Stadt ein Angebot schaffen lassen, sofern sich dazu geeignetes Gelände finden lässt. Mit einem entsprechenden Beschlussvorschlag will die Fraktion Aufbruch! den Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit befassen. Dafür gibt es in Sankt Augustin einen gewissen Bedarf, ist der Aufbruch! überzeugt. Aus Erkundigungen in der Wohnmobil-/Caravan-Branche weiß man, dass im Freizeit- und Tourismusbereich die Wohnmobile und Wohnanhänger zu einem stark wachsenden Segment gehören. Nicht nur für Reisen aus touristischen Gründen, sondern auch für beruflich bedingte Reisen werden zunehmend Caravans und Wohnanhänger benutzt. Außer in ausgesprochenen Touristik-Orten fehlt aber an vielen Zielen- so auch in Sankt Augustin - für einen mehrere Tage dauernden Aufenthalt die notwendige Infrastruktur (Anlagen für das Zapfen von Trinkwasser, das Entsorgen von Abwasser aus den eingebauten Abwasser-Behältern, Behälter für Abfallentsorgung, Stromversorgung für den Betrieb des Bordnetzes, externe Toilettenanlage).

Es ist nicht abwegig, Sankt Augustin wegen der zentralen Lage und der guten Verkehrsinfrastruktur als Ausgangspunkt für touristische Unternehmungen zu sehen. Man denke nur an Museen und andere Sehenswürdigkeiten in Bonn, im Siebengebirge, entlang der Sieg und des Rheins und sogar in Sankt Augustin selbst.

Ebenso könnte für manche Eltern, deren Kinder sich einer längeren Behandlung in der Kinderklinik unterziehen müssen, ein Caravan oder ein Wohnanhänger auf einem ordnungsgemäß ausgestatteten Stellplatz eine willkommene Alternative zu einer Hotel- oder sonstigen Unterkunft sein.

Rad-Schnellweg

Aufbruch! gegrüßt Initiative des ADFC

Mit seinem recht detaillierten Entwurf für die Streckenführung einer Rad-Schnellverbindung Bonn – Siegburg hat der ADFC dankenswerterweise wieder Bewegung in die Sache gebracht. Nachdem vor nicht allzu langer Zeit ein vom Rhein-Sieg-Kreis initiierter Versuch gescheitert war, im Rahmen eines Landeswettbewerbs die Machbarkeit einer schnellen Radwege-Verbindung von Bonn über Sankt Augustin nach Siegburg zu untersuchen, müssen sich jetzt die Hoffnungen auf zwei verschiedene Planungsansätze richten: 1) den im Juli 2018 vom Bonner Stadtrat gestarteten und vom Sankt Augustiner Rat  unterstützten Antrag an das Land NRW, einen über die Nordbrücke geführten Landes-Radschnellweg von Alfter / Bonn nach Niederkassel und über Sankt Augustin nach Troisdorf herzustellen; 2) den aktuell vom ADFC vorgelegten Entwurf einer Rad-Schnellverbindung von Beuel entlang der Stadtbahnlinie 66 über Sankt Augustin nach Siegburg. Für den Aufbruch! Haben beide Planungen ihre Berechtigung und ihren jeweils eigenen Reiz, aber auch jeweils spezifische Nachteile. Bezogen auf einen Startpunkt Bonn-Innenstadt ist die ADFC-Route kürzer (Fahrzeit) und verläuft fast ausschließlich durch besiedeltes Gebiet (Sicherheit). Nachteil ist, dass es die notwendige Rad-Brücke über die Sieg noch nicht gibt. Die von der Bonner Verwaltung geplante Route ist länger und führt über weite Strecken durch unbesiedeltes Gebiet. Das bedeutet: Schöneres Panorama, längere Fahrzeit, beeinträchtigte Sicherheit, besonders in der Dunkelheit. „Wir drücken aber beiden Strecken ganz fest die Daumen“, versichert Wolfgang Köhler seitens des Aufbruch!, „denn die Ökobilanz verbessert sich nicht so sehr durch andere Auspuffanlagen an Autos, sondern viel mehr durch viele Umstiege vom Auto aufs Fahrrad.

Aufregung wegen Fahrradstraße

Niederpleis

28.11.2018/ „Sollen wir jetzt in die Straße, in der wir seit ewigen Zeiten wohnen, plötzlich nicht mehr mit unserem Auto einfahren dürfen?" So etwa lautet der als Frage verpackte Vorwurf, mit dem der Aufbruch! wegen seines Antrages „Ausweisung einer Fahrradstraße in Niederpleis (Prüfauftrag)“ konfrontiert wird. "Die Aufregung ist verständlich aber unbegründet", sagt Aufbruch!-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Köhler dazu. Denn beschlossen ist nicht die Umwandlung von Paul-Gerhardt- und (alter) Pleistalstraße in eine Fahrradstraße, sondern nur die Prüfung, ob die Umwandlung "fachlich angemessen oder sogar geboten" ist. Außerdem ist die Stadtverwaltung beauftragt, die Anlieger der Straßen einzubeziehen. Sollte die Prüfung ergeben, dass die Ausschilderung als Fahrradstraße sinnvoll wäre, würden die Verkehrszeichen 244.1 am Anfang und 244.2 am Ende der Fahrradstraße aufgestellt und - ganz wichtig - mit dem Zusatzschild "Kfz frei" versehen. Damit ändert sich also gegenüber der heutigen Situation wenig.  Autos, Motorräder und Motorroller dürfen die Straße genauso befahren wie Radfahrer. Radfahrer dürfen aber nebeneinander fahren, was sie jetzt allerdings (unerlaubterweise) auch schon tun. Auf der Internetseite „www.bussgeldkatalog.org/fahrradstrasse/“ erfährt man: "So haben Radfahrer auf einer Fahrradstraße vor Pkw und anderen Fahrzeugen, welche diese Straße benutzen, Vorfahrt. Doch dies bedeutet nicht, dass Fahrradfahrer auch an Kreuzungen Vorfahrt haben, hier gilt – sofern nichts anderes ausgeschildert wurde – „rechts vor links“. [...] Kraftfahrer müssen sich auf der Fahrradstraße dem Radverkehr anpassen, sodass eine Behinderung oder Gefährdung der Radfahrer vermieden wird. Auf einer Fahrradstraße muss die Geschwindigkeit daher immer angepasst sein. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit beträgt darüber hinaus immer 30 km/h." 

Radfahrende haben's schwer - nehmen's (zu) leicht

25.7.2018/ Nicht allein die Hitze ist es, die zur Zeit den Radfahrern das Leben schwer macht, aber sie verstärkt die Erschwernisse, mit denen sie jeden Tag zu kämpfen haben. Für den motorisierten Verkehr ist alles recht gut geregelt, und überwiegend liegt diesen Regelungen ein überschaubares System zugrunde: Motorfahrzeuge fahren rechts, beim Rechtsabbiegen müssen sie nur den Verkehr von links im Auge haben (und die rechts an ihnen vorbeifahrenden Radler), an Kreuzungen gilt die Ampelanzeige und ansonsten rechts vor links, und im Kreisverkehr fährt man gegen den Uhrzeigersinn. Radfahrern wird ein ständiges Hin-und-Her zugemutet. Es gibt einen Radweg oder es gibt keinen; der Radweg ist einmal auf der einen Seite der Straße, einmal auf der anderen; er ist für Radfahrer und Fußgänger im Mischbetrieb ausgeschildert oder nur für Radler; er ist super-breit oder so schmal, dass man fast mit den Außenspiegeln der Autos kollidiert; beim Links-Abbiegen an beampelten Kreuzungen muss zweimal auf Grün gewartet werden; ... . Was erschwerend hinzu kommt ist der buckelige Zustand der Radwege-Fahrbahndecken und die zu hohen Übergänge von Straße zu Radweg - nicht zu vergessen der nachrangig zu den Straßen versehene Winterdienst.

Kein Wunder, dass bei Radfahrern ein Gefühl der systematischen Benachteiligung und der Verdrossenheit entsteht. Daraus erklärbar - keineswegs entschuldbar - das manchmal verkehrswidrige Verhalten der Radfahrer, mit dem sie für sich die empfundene Benachteiligung auszugleichen geneigt sind: Man fährt auf dem linksseitigen Radweg, obwohl rechts auch einer vorhanden ist; man fährt im Kreisverkehr falsch herum; man biegt auch ohne Grün-Pfeil an der roten Ampel rechts ab; man überholt Autos rechts; man fährt ohne Licht, weil Autofahrer ja Licht haben und einen sehen können, ... . Vergessen oder verdrängt wird dabei die Gefährdung für sich selbst und andere, die aus dem Fehlverhalten entsteht.

Mit all dem darf sich weder Radverkehr noch der Autoverkehr abfinden. Regeln einhalten, achtsam und respektvoll miteinander umgehen (siehe § 1 Straßenverkehrsordnung), Missstände nicht hinnehmen (siehe Beschwerdeportal auf der städtischen Homepage), sein Recht angemessen einfordern (keine Gewalt!). Aber Geduld ist angesagt, denn nicht alles kann von heute auf morgen zum Besseren gewendet werden.

Lärm-Aktionsplan Stufe 2

Wer macht Aktion und warum überhaupt?

27.7.2017/ Verkehrslärm ist in einem dicht besiedelten Raum wie Sankt Augustin ein schwerwiegendes Problem, von dem das Wohlbefinden und die Gesundheit vieler Menschen beeinträchtigt werden kann. Schon im vorigen Jahrhundert war den Städten und Gemeinden durch einschlägige Bestimmungen des Baugesetzbuches und des Bundes-Immissionsschutzgesetzes aufgegeben, sich mit der Frage der Lärm-Minderung zu befassen. Das war für die Kommunen jedoch höchstenfalls bei der Erstellung neuer Bebauungspläne machbar; denn für die systematische Erfassung von Lärm-Immissionen im gesamten Stadtgebiet fehlten ihnen die sächlichen und die finanziellen Mittel sowie die fachliche Kompetenz. Im Jahr 2002 nahm sich die EU der Thematik an:

„Die 2002 in Kraft getretene EG-Umgebungslärmrichtlinie wurde 2005 mit dem Gesetz zur Umsetzung der EG-Richtlinie über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm und 2006 mit der Verordnung über die Lärmkartierung in nationales Recht umgesetzt. Das Bundes-Immissionsschutzgesetz (§ 47) wurde entsprechend angepasst.“ (KRAMER Schalltechnik GmbH Lärmaktionsplanung Nr. 13 04 001/01 vom 26. Juni 2017)  

Die 1. Stufe der Lärmkartierung (bis 2008) befasste sich nur mit Haupt-Verkehrsstraßen mit mehr als sechs Millionen Kfz pro Jahr = mehr als 16.400 Kfz pro 24 Stunden sowie mit Haupt-Eisenbahnstrecken mit mindestens 60.000 Zügen pro Jahr und mit Großflughäfen.

Mit der jetzt vom Ausschuss für Umwelt, Planung und Verkehr Sankt Augustins zur Kenntnis genommenen Stufe 2 (bis 2013) der Lärmaktionsplanung sind Hauptverkehrsstraßen mit mehr als drei  Millionen Kfz pro Jahr = täglich mehr als 8.200, Haupteisenbahnstrecken mit mindestens 30.000 Zügen pro Jahr = mehr als 82 Züge pro Tag und Großflughäfen erfasst. Und entsprechend der Befunde muss ein Lärm-Aktionsplan aufgestellt werden.

Natürlich sind Lärm-Werte („Auslösewerte“) definiert, die erreicht werden müssen, damit eine Örtlichkeit (Wohnungen, Schulen, Krankenhäuser oder andere schutzwürdige Gebäude) als lärmbelastet gilt. Die Auslösewerte sind:

  • LDEN von 70 dB(A) =24-Stunden-Wert
  • Lnight von 60 dB(A) = Nacht-Wert

Mit einem Aufkommen von über 3 Mio. Kfz/Jahr wirkt der Lärm der Autobahnen A 3, A 59 und A 560, der Bundesstraße B 56, der Landesstraßen L 16, L 121, L 143 und L 333 sowie der Einsteinstraße auf das Stadtgebiet von Sankt Augustin ein. Hinzu kommt der Lärm der Haupt-Eisenbahnstrecken Köln – Troisdorf – Bonn-Beuel – Koblenz sowie der Stadtbahn-Linie 66 mit jeweils mehr als 30.000 Zügen/Jahr, zudem die ICE Strecke Köln – Frankfurt und die Siegstrecke. Und dann haben wir noch einen Großflughafen Köln/Bonn (CGN) ca. 10 km entfernt.   

 

Erstaunlicherweise gilt Sankt Augustin vom Fluglärm des Köln/Bonner Flughafens als nicht betroffen (außer einer Ecke von Buisdorf), obwohl das viele Menschen in Sankt Augustin ganz anders empfinden. Warum? Weil die Auslösewerte nicht erreicht werden – egal was die Menschen empfinden. Insbesondere spielt leider keinerlei Rolle, dass manche Menschen unter mehreren Lärmquellen zu leiden haben – z. B. Buisdorf: A3, A560, Bahnstrecke, L333, L121 und Flughafen. Das Gesetz erkennt keine Additionswirkung von Lärmen an. Das heißt: Wenn an einem Punkt jede dieser Lärmquellen knapp unter den Auslösewerten liegt, gilt dieser Punkt als nicht lärmbelastet.

Auf der Grundlage der vom Land (leider verspätet) zur Verfügung gestellten Lärmkartierungen soll mit der Lärm-Aktionsplanung gegen die Lärmeinwirkungen an den Stellen vorgegangen werden, wo die Auslösewerte erreicht werden.

 

Wichtig: Jeder kann einen formlosen Antrag bzgl. der Überprüfung der Lärmsituation im Bereich seines Wohnhauses an die Straßenbauverwaltung richten, wenn dieses an den genannten Straßen oder Bahnstrecken liegt.

Eine Lärmsanierung kann man vom Straßenbaulastträger verlangen (Bundesrepublik Deutschland für Autobahnen und freie Strecke von Bundesstraßen / Land Nordrhein-Westfalen für Landesstraßen) – und jetzt kommt’s – „im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel“. Zudem spielt eine Rolle, wie viele Personen von der Lärmbelastung betroffen sind. Sind nur wenige betroffen, kommen nur passive Lärmschutzmaßnahmen in Frage (Einbau von Schallschutzfenstern), die bis zu 75 % bezuschusst werden können.

Ob es sich für Sie lohnt, aktiv zu werden, zeigt Ihnen ein Blick in das Kartenwerk der Lärmkartierung NRW in dem Sie exakt Ihr Haus und Ihre Lärmbelastung aufspüren können.