Soziale Gerechtigkeit

Alternde Gesellschaft

Altersgerechte Wohnviertel

25.3.2014/ Was für junge, mobile Menschen eine Selbstverständlichkeit ist, ist für alte Menschen und für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ein Problem: die Erreichbarkeit von Versorgungsangeboten. Dabei geht es nicht allein um Wohnung, Mobilität, Essen und Trinken. In „Pantoffelnähe“ müssen neben Supermarkt und Einrichtungen der Gesundheitsversorgung auch Angebote der sozialen Betreuung sein. Und seit sich Familienstrukturen gewandelt haben, sind viele Ältere von Vereinsamung bedroht. Für familiär Vereinsamte ist die Möglichkeit, Gemeinschaft zu erleben, von ganz großer Bedeutung. Manche treibt auch der Impuls um, für die Gemeinschaft etwas leisten zu wollen, eigene Fähigkeiten einzubringen. Alle Angebote und Möglichkeiten sind jedoch nutzlos, wenn sie überhaupt nicht oder nur ganz beschwerlich zu erreichen sind. Einzelne Bausteine für altersgerechte Quartierskonzepte hat die Stadt schon bereitgestellt (Einzelhandels- und Nahversorgungskonzept, Verkehrsentwicklungsplan, Radverkehrskonzept und Stadtentwicklungskonzept). Aber systematisch aufeinander abgestimmt sind sie längst nicht.

 

Planerische Herkulesaufgabe

Wir, die Ratsfraktion Aufbruch!, sind überzeugt: Die planerische  Herkulesaufgabe der kommenden Jahre und Jahrzehnte muss es sein, die „Daseinsgrundfunktionen“ miteinander zu harmonisieren. Wohnen, sich versorgen, Gemeinschaft erleben und sich in Gemeinschaft einbringen müssen räumlich unter einen Hut gebracht werden und ihre problemlose Erreichbarkeit auch für „Mobilitätseingeschränkte“ (Menschen mit Gehproblemen, Menschen im Rollstuhl oder Rollator) muss hergestellt werden (Fußwege ohne Stolperkanten, Radwege ohne Sperrgitter, Bus-Einstiege ohne hohe Stufen, Rampen statt Treppen, Türen breit genug für Rollstühle). Natürlich erkennen wir das Problem, dass die Stadt das Meiste nicht direkt selbst in die Hand nehmen oder auch nur entscheidend beeinflussen kann. Stattdessen kann sie förderliche Bedingungen für bestimmte Angebote oder ausschließende Bedingungen für andere schaffen. Darüber hinausgehend kann und muss die Stadt als Beraterin und Koordinatorin tätig werden, muss Unternehmen der Privatwirtschaft (Post, Banken, …) an einen Tisch bitten und mit ihnen zusammen das altersgerechte Quartier planen. Wir wissen, dass das alles die Stadt viel kosten wird. Das Geld nicht auszugeben, hieße die älteren Menschen von der gesellschaftlichen Teilhabe abzukoppeln. Der Aufbruch! steht dafür ein, für altersgerechte Quartiere das zu investieren, was es an Geld und Personal braucht. Alles andere wäre Missachtung der Lebensleistung und des Teilhaberechtes der älteren Menschen.

Inklusion

Was ist das? Und wie geht das?

30.11.2012/ Der Reichtum einer Gesellschaft wird wesentlich hergestellt durch die Vielfältigkeit und Verschiedenartigkeit ihrer Menschen. Ja, Wirtschaftskraft, Rechtssicherheit, kulturelle Vielfalt, politische Macht sind wichtig, aber sie sind nichts ohne die Menschen in ihrer Vielfalt und mit ihren individuellen Fähigkeiten und Schwächen.

Mit dem Grundsatz der Inklusion wird dem Rechnung getragen: “Jeder Mensch erhält die Möglichkeit, sich vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen – und zwar von Anfang an und unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer wie sozialer Herkunft, Geschlecht oder Alter.“ (Quelle: http://www.aktion-mensch.de/inklusion/was-ist-inklusion.php)

Inklusion in der Praxis ist nicht einfach; denken muss verändert, neues Handeln im Alltag gelernt werden. Auch deshalb macht Sinn, mit gelebter Inklusion in der Schule zu beginnen, also mit gemeinsamem Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern. Ab dem Jahr 2009 ist in Deutschland die <UN-Behindertenrechtskonvention> in Kraft, aber an der Umsetzung hapert es noch weitgehend. Gerade erst ist das zur Umsetzung der Inklusion in den Schulen notwendige “Schulrechtsänderungsgesetz“ in NRW in der parlamentarischen Beratung. Aber weder sind die Schulgebäude behindertengerecht noch ist die personelle Ausstattung der Schulen darauf eingerichtet noch ist die Gesellschaft darauf vorbereitet.

Inklusion reicht aber über den Bereich der Schulen hinaus. Ob Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt am gesamten gesellschaftlichen Leben teilhaben können, zeigt sich an vielen Dingen, die für nicht Behinderte “Kleinigkeiten“ sind: Breite von Parkplätzen, Einstieg in den Bus, WC im Restaurant für Rollstuhl geeignet oder nicht, Stufen oder Rampe am Eingang, Breite von Türen, Lesbarkeit von Displays bei Bank- und Ticket-Automaten, akustisches Signal an Ampeln, Gebärdendolmetscher bei Großveranstaltungen … .

Insbesondere für mobilitätsbehinderte Menschen ist es schon vorab wichtig zu wissen, ob eine Einrichtung überhaupt für sie nutzbar ist. Dazu kann eine internet-basierte interaktive Karte eine große Hilfe sein. In dem Internet-Portal www.wheelmap.org kann man nachschauen, ob eine Lokalität voll, teilweise oder gar nicht behindertengerecht ist oder ob darüber noch nichts bekannt ist. Da die Karte interaktiv ist, kann man eigene Erfahrungen in die Karte eintragen und damit anderen eine hilfreiche Information bieten. Das Sammeln und Eintragen entsprechender Informationen sollte sich jeder zur Aufgabe machen.



Rat begrüßt Initiative des Aufbruch! zu einem Masterplan Inklusion

16.3.2012/ Auf Initiative des Aufbruch! wird die Stadt Sankt Augustin einen „Masterplan Inklusion“ erstellen. Einhellig wurde diese Initiative von allen Fraktionen im Stadtrat begrüßt.

 

Laut Wikipedia ist soziale Inklusion "verwirklicht, wenn jeder Mensch in seiner Individualität von der Gesellschaft akzeptiert wird und die Möglichkeit hat, in vollem Umfang an ihr teilzuhaben oder teilzunehmen." Der Rat hat den Antrag des Aufbruch! zur Bearbeitung in den Sozialausschuss verwiesen, gleichzeitig aber auch die Behandlung im Jugendhilfe- und im Schulausschuss vorgesehen. Denn erkennbar ist Inklusion nicht nur eine große Aufgabe für die nächsten Jahre, sondern auch eine Daueraufgabe. Für die Bearbeitung durch Rat und Verwaltung ist es eine sogenannte Querschnittsaufgabe. Das heißt, dass alle Fachbereiche damit zu befassen sind. Das Thema darf nicht auf KiTas und Schulen beschränkt gesehen werden, weil Inklusion letztlich alle Lebensbereiche tangiert.

 

Auslöser dafür, dass Inklusion in dieser Intensität zum Thema geworden ist, ist eine entsprechende UN-Resolution. Diese ist von der Bundesregierung in nationales Recht übernommen worden und wird jetzt durch die Landesregierungen auf Landesrecht heruntergebrochen. Sobald in NRW die landesrechtlichen Regelungen festgeklopft sind, wird es ernst für die Umsetzung in den Städten und Gemeinden. Bis dahin darf aber schon nachgedacht und geplant werden. Das soll mit dem Beschluss zum Masterplan erreicht werden.

Was bedeutet Vielfalt und Integration?

Das bedeutet aufeinander zugehen in allen Bereichen des Lebens; bedeutet das Unterlassen von Ausgrenzung von Menschen gleich welcher Nationalität, Religion, Hautfarbe und auch sozialem Status.

 

Das Sprachproblem

Durch die Initiativen der Bundes- und der Landesregierung sind Bemühungen um verbesserte Sprachkenntisse und damit erfolgreiche Teilhabe am Leben in der jeweiligen Einrichtung bereits in den frühkindlichen und schulkindlichen Altersgruppen spürbar. Und es zeigen sich schon erste Verbesserungen.

 

Defizite bei älteren Jugendlichen

 Erhebliche Defizite sehen wir allerdings bei der „vergessenen Generation" der Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund. Der Sport bietet hier zunächst unkomplizierte, niedrigschwellige Angebote, die zwar auch von Kindern gerne angenommen werden. Aber Jugendliche und junge Erwachsene die sehr viel deutlicher soziale Unterschiede spüren, haben es sehr viel schwerer, solche Angebote anzunehmen. In einer Jugendmannschaft fällt es sehr wohl auf, wenn jemand keine Arbeit oder Schulausbildung oder beides nicht hat. Und Mädchen haben im jugendlichen Alter ohnehin noch weniger Chancen auf eine Eingliederung in die bürgerliche Gesellschaft.

 

Auswirkungen

Die jungen Leute sind also unterbeschäftigt, wenig anerkannt, unzufrieden. Diesen Gefühlen geben sie oft auf eine Art und Weise Ausdruck, die nicht wünschenswert  und für manch einen Mitbürger bedrohlich ist.

 

Ausweg

Natürlich brauchen wir (mehr) Räume, wo Jugendliche und junge Erwachsene sich frei bewegen und ihre Freizeit nach ihrem Geschmack verbringen können. Selbstverständlich reicht ein Streetworker nicht aus um die momentan anstehenden Konflikte zu verringern.

Aber wir dürfen uns nicht am Ist-Zustand festhalten. Wir müssen versuchen, den jungen Leuten eine Perspektive in Form von Arbeit, Lehrstelle oder Schulabschluss zu bieten.

Die ARGE Sankt Augustin vermittelt die jungen Menschen in eine Beschäftigungsgesellschaft, wo sie verwaltet werden, wo aufgrund der Vielzahl der Fälle nicht auf jeden eingegangen werden kann. Es gibt jedoch Initiativen, wo ältere, ausgebildete - meist Handwerker,, die Hartz IV - Empfänger sind, die jungen Hartz IV-ler bei gemeinnütziger Arbeit anleiten. (sogen. 1€ - Jobs).

Sie achten darauf, dass die jungen Leute pünktlich, ordentlich und regelmäßig ihre Arbeit erledigen. Sinnvoll sind Gruppen zwischen 5 und 10 jungen Menschen, damit der Praxisanleiter einen persönlichen Bezug zu ihnen aufbauen kann. Wenn die - nach dem Gesetz auf 6 Monate begrenzte - Zeit erfolgreich beendet ist, sind die Chancen auf einen Praktikumsplatz und anschließend eine Lehrstelle recht gut.

Die Maßnahme muss allerdings von ARGE und Sozial - oder Jugendamt gemeinsam getragen und begleitet werden. Die jungen Leute müssen eine Chance haben zu erkennen, dass auf den Ämtern ein Interesse an ihnen vorhanden ist. Durch den persönlichen Bezug entsteht der Wille, die Sache - oft die letzte Chance - gut hinzukriegen.

Für die älteren Langzeitarbeitslosen, die die Jugendlichen begleiten und anleiten,  ist dies ebenfalls eine wichtige Bereicherung ihres Lebens.

Wir möchten, dass diese relativ einfache und preiswerte Maßnahme auch in Sankt Augustin, wie in anderen Gemeinden möglich wird. An engagierten Mitarbeitern in ARGE und  Stadtverwaltung sollte es nicht fehlen und die Maßnahme trägt zur Integration aller Nationalitäten in unsere Gesellschaft bei. Gerade durch diese Integration wird unsere Gesellschaft vielfältiger.

 

Sankt Augustiner Charta für Vielfalt und Integration

Die Vorstellungen des Aufbruch! zum Thema Vielfalt und Integration, die wir in einem Antrag an den Rat formuliert haben, finden Sie im folgenden PDF-Dokument.