Natur- und Umweltschutz

Laub-Fegen: Alle Jahre wieder Streitthema

17.11.2022/ Laubbläser wieder überall - mal lauter mit Verbrennungsmotor, mal leiser mit E-Motor. Oft gibt es nicht nur Lärmbeschwerden, sondern auch Streit zwischen Nachbarn, wer für die Laubentfernung zuständig ist. Grundsätzlich ist die Stadt für die Beseitigung von Gefahren zuständig, aber die Städte und Gemeinden versuchen, ihren Einsatz von Mensch, Material und Entsorgung zu minimieren. Sie übertragen mit Hilfe einer entsprechenden ordnungsbehördlichen Satzung die Verpflichtung, Laub (Schnee und Eis kommen später) auf die Anlieger. Bei Mietshäusern steht regelmäßig in den Mietverträgen (oder in den Hausordnungen, die wiederum Bestandteile der Mietverträge sind), dass die Pflicht auf die Mieter übertragen wird. Mit der Unterschrift unter den Mietvertrag übernehmen dann die Mieter die ihnen aufgetragene Kehr- und Entsorgungspflicht. Setzen die Mietparteien oder die Hauseigentümer Laubbläser ein, so haben sie sich an die üblichen Ruhezeiten zu halten. (Im Zweifelsfall auf der Homepage der Stadt nachschauen in der Ordnungsbehördlichen Verordnung zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung ... bzw. im § 906, Abs. 2 BGB.) - Und dann gibt es da noch den Nachbarschaftsstreit: Auf Nachbars Grundstück stehen hohe alte Bäume, die reichlich Laub abwerfen und das am liebsten auf das Nachbargrundstück. Nach deutschem Recht ist für die Laub-Entfernung zuständig, auf wessen Grundstück das Laub liegt. Und wohin damit? In die braune Tonne bzw. in den Beistellsack für Garten-Abfälle oder in den Kompostierer bzw. auf den Komposthaufen im eigenen Garten - auf keinen Fall in den nächsten Wald / das nächste Gebüsch. - Zu dem anderen beliebten Streitthema zwischen Nachbarn (überhängende Äste) nur soviel: Wer den Baum oder Strauch auf dem Grundstück hat, muss auch den Ast-Wuchs im Zaum halten; aber bei großen Ästen kann dafür eine Genehmigung der Stadt notwendig sein. [Quelle der Informationen: Online-Ausgabe der Zeitschrift KOMMUNAL vom 14.11.2022]

Dachbegrünung

Medizin gegen "Stein- /Beton-Vorgärten"?

12.4.2021/ Am NRW Förderprogramm „Klimaresilienz in Kommunen“ sollen Sankt Augustiner Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen sich beteiligen. Dazu hat das Umweltbüro der Stadt einen Aufruf gestartet. Private Haus- und Garagendächer sowie die Dächer gewerblich genutzter Gebäude sollen begrünt werden und auf Antrag 50 % der Kosten aus dem Fördertopf des Landes NRW erstattet werden. Das als Beitrag zur Klima-"Resilienz" (= Klima-Widerstandsfähigkeit). "Ein schönes Förderprogramm!", möchte man spontan ausrufen, wenn es nicht von vornherein durch die Umgestaltung von Vorgärten in Steinwüsten schon teilweise konterkariert worden wäre.

Leider hat sich nämlich die Unsitte verbreitet, die Vorgärten pflegeleicht und zugleich steril zu machen, indem der gewachsene Boden mit Folie abgedeckt und mit einer Stein-Lage überschüttet oder sogar als Kfz-Stellplatz betoniert wird. Die Folgen dieser "modernen" Gestaltung sind nicht zu unterschätzen. Einerseits wird Bienen und anderen Insekten ihr Lebensraum und ihre Futterquelle entzogen. Je nach Ausführung der Gartengestaltung wird auch das Versickern von Niederschlägen geschmälert oder ganz verhindert und der Zulauf zur Kanalisation entsprechend verstärkt. An heißen Tagen fehlt die kühlende Wirkung von Pflanzen, und die steinernen Flächen speichern extrem viel Wärme-Energie und heizen zusammen mit der Wärme aus Straßenbelägen und Häuserfassaden die heiße Luft zusätzlich auf. Angesichts der extremen Sommer in den letzten Jahren ein Umstand, dem sehr viel kritische Beachtung geschenkt werden muss. Deshalb wird Dachbegrünung von uns natürlich ohne Wenn und Aber begrüßt. Gleichzeitig müsste aber in Sankt Augustin ein “Entsiegelungs-Programm“ auf den Weg gebracht werden oder ein “Programm zur Verhinderung von Versiegelung“.

Und übrigens dürften Fördermittel für Dachbegrünung eigentlich nur für solche Gebäude ausgeschüttet werden, deren Außenanlagen keine Verstöße gegen die Klima-Resilienz aufweisen. - Eigentlich! Denn solche steinernen Gärten verschlechtern die Zustände, die dann mit grünen Dächern wieder verbessert werden sollen – und das mit staatlichem Förder-Geld.

Heißer Trend: Schottervorgärten

Nicht nur auf Bahngleisen: Schottersteine

24.1.2020/ Das Grün der Vorgärten in Sankt Augustin – aber nicht nur dort - wird immer mehr von einem Grauschleier überzogen. Nicht weil die Luft so staubig wäre, nein, weil das Grün weggebaggert und durch meist grauen Schotter ersetzt wird oder gleich komplett mit Betonsteinen versiegelt wird. Natürlich gibt es dafür Gründe; manche davon sehr nachvollziehbar. Wenn die Bewohner eines Hauses altersbedingt das Vorgarten-Grün nicht mehr pflegen können, liegt die einfache Lösung auf der Hand: einmal Grün wegbaggern und durch Schotter ersetzen spart auf ewig den Rasenmäher. Und damit das Jäten auch für immer entbehrlich ist, werden die Steine mit einem Vlies unterlegt, das das Durchwachsen von Wildkräutern durch die Steine verhindert. Derart versiegelte Flächen schaden allerdings dem Artenreichtum, beschleunigen das Insektensterben (und in der Folge das Vogelsterben) und schränkt die Versickerung von Niederschlagswasser ein.

Ganz wichtig aber auch, weil im Sommer unmittelbar fühlbar und messbar: Die Steine werden durch die Sonne erhitzt und geben diese Hitze an die Luft ab – was Grünflächen nicht tun. Die Schotterflächen bieten also für die Augen und Ohren weniger, lassen uns aber mehr unter der Hitze leiden. Unsere Meinung: Dieser Trend sollte nicht weiter um sich greifen, und wo er schon stattgefunden hat, sollte die Umkehrung eingeleitet werden.

Was tun für Insekten und Vögel in Sankt Augustin?

11.5.2018/ "Vogelpapst" Prof. Berthold äußert in einem aktuellen Interview die Befürchtung - verkürzt gesagt - dass unsere wild lebenden Vögel verhungern bzw. dass sie ihren Nachwuchs gar nicht mehr oder nur mangelhaft ernähren können. Deshalb empfiehlt er die ganzjährige Fütterung. Warum sollen Vögel heute nicht können, was sie früher konnten? Die Antwort vereinfacht gesagt: Die Nahrungsketten brechen ein. Zur Jungvogel-Aufzucht brauchen Vögel fett- und eiweißreiches Futter, nämlich Insekten. Die Zahl der Insekten nimmt ab. Sind zu wenige Insekten vorhanden, müssen die Altvögel auf Sämereien zurückgreifen. Wenn aber immer weniger Samen von Wildkräutern zu finden sind, gibt es auch weniger Vogelnachwuchs. Und weniger Wildpflanzen bedeutet auch zudem weniger Insekten. Ohne Insekten werden viele Kulturpflanzen nicht bestäubt, und folglich bilden sie keine Früchte aus. Platt gesagt: Ohne Insekten keine Äpfel, keine Birnen, keine Kirschen. Was tun? Jeder kann privat etwas tun. Hier nur drei simple Maßnahmen: 1) Vögel ganzjährig füttern, 2) im Garten oder auf dem Balkon solche Pflanzen verwenden, die Insekten Futter bieten, 3) betrifft Hauseigentümer: darauf verzichten, Grünflächen durch pflegeleichte Schotter- oder Pflasterflächen zu ersetzen. - Was darüber hinaus die Stadt für Insekten und Vögel tut und noch mehr tun kann, bringen wir gerade durch eine Anfrage in Erfahrung. Ergebnisse demnächst hier auf unserer Homepage.