Natur- und Umweltschutz

Neues von der Dichtheitsprüfung

31.1.2020/ Laut Beschluss des nordrhein-westfälische Landtags, soll § 8 der Selbstüberwachungsverordnung (SüwVO Abwasser NRW) Teil 2 geändert werden.

Zukünftig soll es eine verpflichtende Dichtheitsprüfung in NRW  nur noch bei Neubauvorhaben, bei wesentlichen Änderungen der Grundstücksentwässerung und in begründeten Verdachtsfällen geben. Bestehende Regelungen zur Prüfung industrieller oder gewerblicher Abwasseranlagen sollen dagegen unberührt bleiben, genauso wie die Regelungen über die bereits abgelaufene gesetzliche Frist 31. Dezember 2015 für private Abwasseranlagen, die vor 1965 errichtet wurden.

 

Nach Wasserhaushaltsgesetz sind Grundstückseigentümer verpflichtet, den Zustand und die Funktionsfähigkeit ihrer Abwasserleitungen zu überwachen. Mit Blick auf die Umsetzung dieser Anforderungen in NRW hat der Landtag die Landesregierung beauftragt, den § 8 der SüwVO NRW zu ändern. Die zu erwartende Neuregelung sieht u. a. vor, dass die bestehende Prüffrist 2020, die derzeit noch für private Abwasserleitungen gilt, die in Wasserschutzgebieten häusliches Abwasser führen und nach 1965 erstellt wurden, entfallen wird. Das Umweltministerium NRW arbeitet aktuell an einer entsprechenden Änderung der bestehenden Rechtslage. Die Verabschiedung im Landtag wird voraussichtlich im 3. Quartal 2020 erfolgen.

 

Da die bestehende Prüffrist 2020 voraussichtlich entfallen wird, wird die Stadtverwaltung zunächst die gesetzlichen Entwicklungen zur Änderung der  SüwVO NRW abwarten und Zustands- und Funktionsprüfungen, die allein dem Zweck der Erfüllung der Selbstüberwachungspflichten von Abwasseranlagen für häusliches Abwasser in Wasserschutzgebieten dienen, bis auf Weiteres nicht einfordern. Dies gilt natürlich nur soweit keine akuten Schadens-Verdachtsfälle wie beispielsweise bei einer Leitungsverstopfung vorliegen.

Die Stadtverwaltung wird fortlaufend über die aktuelle Entwicklung informieren und steht für Beratungen zur Verfügung.

 

Auch wenn die Absichtserklärung zur Lockerung der bisherigen Regelung im schwarz-gelben Koalitionsvertrag stand, kam der Beschlussvorschlag im Dezember 2019 für die Fachleute doch überraschend. Dient doch die Zustands- und Funktionsprüfung privater Abwasserleitungen nicht nur dem Schutz der Umwelt, sondern liegt auch im Interesse der Hauseigentümer um Nässeschäden, aufwändige Reparaturen und den Werteverlust der eigenen Immobilie zu vermeiden. Jeder Hauseigentümer sollte die Lage und den Zustand seiner Grundstücksentwässerungsanlage kennen, genauso wie man die Heizungsanlage und das Hausdach im Blick haben sollte.

Heißer Trend: Schottervorgärten

Nicht nur auf Bahngleisen: Schottersteine

24.1.2020/ Das Grün der Vorgärten in Sankt Augustin – aber nicht nur dort - wird immer mehr von einem Grauschleier überzogen. Nicht weil die Luft so staubig wäre, nein, weil das Grün weggebaggert und durch meist grauen Schotter ersetzt wird oder gleich komplett mit Betonsteinen versiegelt wird. Natürlich gibt es dafür Gründe; manche davon sehr nachvollziehbar. Wenn die Bewohner eines Hauses altersbedingt das Vorgarten-Grün nicht mehr pflegen können, liegt die einfache Lösung auf der Hand: einmal Grün wegbaggern und durch Schotter ersetzen spart auf ewig den Rasenmäher. Und damit das Jäten auch für immer entbehrlich ist, werden die Steine mit einem Vlies unterlegt, das das Durchwachsen von Wildkräutern durch die Steine verhindert. Derart versiegelte Flächen schaden allerdings dem Artenreichtum, beschleunigen das Insektensterben (und in der Folge das Vogelsterben) und schränkt die Versickerung von Niederschlagswasser ein.

Ganz wichtig aber auch, weil im Sommer unmittelbar fühlbar und messbar: Die Steine werden durch die Sonne erhitzt und geben diese Hitze an die Luft ab – was Grünflächen nicht tun. Die Schotterflächen bieten also für die Augen und Ohren weniger, lassen uns aber mehr unter der Hitze leiden. Unsere Meinung: Dieser Trend sollte nicht weiter um sich greifen, und wo er schon stattgefunden hat, sollte die Umkehrung eingeleitet werden.

Neue Standorte für Glascontainer nur mit Bürgermitsprache

27.11.2019/ Das hat der Aufbruch! im Umwelt-, Planungs- und Verkehrsausschuss am 25.09.2019 erreicht: Bei der Festlegung von Standorten für Altglascontainer und bei der Installation von solcher Container in unterirdischer (versenkter) Bauweise sind zunächst die betroffenen Anwohner zu hören. Der entsprechende Beschluss erfolgte auf Antrag der Fraktion Aufbruch! (Wortlaut siehe unten*)) fast einstimmig. Nur die Linke stimmte dagegen.

 

Zwar werden alle Altglascontainer nach und nach ausschließlich zu Unterflur-Containern umgebaut, so dass die Geräusch-Immissionen durch den Glaseinwurf stark abgedämpft werden, aber der Lärm an- und abfahrender Autos und des Türenschlagens lässt sich nicht vermeiden. Von daher ist die Einbeziehung der Anwohner in die Beratungen über die Standorte absolut unverzichtbar.

 

*) Beschluss aus der Sitzung des Umwelt-, Planungs- und Verkehrsausschuss vom 25.9.2019:  

1. Der Umwelt-, Planungs- und Verkehrsausschuss stimmt den in den vier unter „Sachverhalt / Begründung" vorgestellten Unterflurglascontainerstandorten für 2019 und 2020 zu und ermächtigt die Verwaltung, die Auftragsvergabe vorzubereiten.

2. Die Zustimmung und die daraus abgeleitete Ermächtigung sind im vorliegenden Fall und bei zukünftigen Fällen unter den Vorbehalt gestellt, dass bei neu bestimmten Standorten oder / und bei solchen bestehenden Standorten, die Gegenstand von Beschwerden sind, zunächst die betroffenen Anwohner angehört werden.

 

Klima? Wo ist das Problem?

15.10.2019/ Wenn wir CDU und FDP und Linken beim Thema Klima zuhören, lässt sich deren Position etwa so zusammenfassen: "Das Klima scheint etwas aus den Fugen zu sein - bewiesen ist das nicht -wir als Stadt müssen deshalb aber nicht den Notstand ausrufen. Denn wir allein können doch nichts ausrichten. Und Gesamt-Deutschland hat doch an den CO2-Immissionen weltweit nur

2 % Anteil. Außerdem wird uns schon die Bundesregierung sagen, was wir tun müssen oder nicht zu tun brauchen."

 

Der Aufbruch! meint: Das ist deutlich zu kurz gesprungen. Schon in der Konferenz von Rio de Janeiro 1992 hat sich Deutschland in einem völkerrechtlich bindenden Vertrag namens "Agenda 21" dazu verpflichtet, Nachhaltigkeit anzustreben in den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Dieser Vertrag enthält die Pflicht, dass alle Ebenen des Staates an der Erreichung des Nachhaltigkeitszieles zu beteiligen sind. Und gerade eben hat die Bundeskanzlerin (sinngemäß) bekundet "Wenn wir nur so weiter machen wie bisher, können wir die in Paris vereinbarten Klimaziele nicht erreichen." Aus dieser Erkenntnis ist das "Klimapaket" entstanden, das man als unzureichend kritisieren kann, aber darin sind auch die Kommunen in die Pflicht genommen. Zugegeben, Sankt Augustin tut schon viel für den Klimaschutz. Wie könnte es uns als Stadtrat dann weh tun, wenn wir dem beipflichteten, was die Regierungschefin gesagt hat? Dass wir nämlich in einer ernsten Klimakrise sind - weltweit, in Deutschland und auch in Sankt Augustin. Es bräche uns kein Zacken aus der Krone, wenn wir sagten "Viel tun ist nicht genug! Es muss noch mehr sein. Es geht doch um die Bewahrung eines Zustandes auf der Erde, der unseren Kindern und Enkeln noch ein lebenswertes Leben ermöglicht. Unseren kleinen Beitrag dazu wollen wir als Stadt Sankt Augustin leisten."

 

 Mikroplastik vermieden

Kluge Sportverwaltung - kluge Politik

22.5.2019/ Ohne dass das Wort "Mikroplastik" und das Material selbst vor Jahren schon bekannt gewesen wäre, hat eine kluge Sankt Augustiner Sportverwaltung zusammen mit einer ökologisch gepolten Politik bei den Kunstrasen-Sportplätzen damals richtig entschieden. Als Füllmaterial zwischen den Plastik-Fäden der Kunstrasenplätze wurde Sand gewählt; Kunststoff-Granulat wurde kategorisch ausgeschlossen. Das wird sich jetzt finanziell lohnen. Denn wie aktuell bekannt geworden ist, soll ab 2021 das Inverkehrbringen von "bewusst zugesetztem" Mikroplastik verboten werden. Gemeint ist damit auch das als Füllstoff auf Kunstrasenplätzen verwendete Kunststoff-Granulat.

Wie der Städte- und Gemeindebund NRW am 20. Mai 2019 mitteilte, hat die "European Chemical Agency" nach Beauftragung durch die EU-Kommission und entsprechenden Untersuchungen einen Beschränkungsvorschlag veröffentlicht. Danach soll das Inverkehrbringen von bewusst zugesetztem Mikroplastik verboten werden. Bisher sind keine Übergangsfristen definiert, und somit würde das Verbot 2021 in Kraft treten. Damit ergeben sich für Sportstätten, die Kunststoff-Granulat als Füllstoff verwendet haben, hohe Investitionskosten, um dieses Granulat durch Sand zu ersetzen. Laut Städte- und Gemeindebund NRW rechnen der DFB und der Deutsche Olympische Sportbund in Deutschland mit einer zwei- bis dreistelligen Millionensumme. Sankt Augustin ist fein raus, weil hier Sand als Füllstoff durchgesetzt wurde. Kluge Politik und kluge Verwaltung ist eben nachhaltig und zahlt sich aus.

Was tun für Insekten und Vögel in Sankt Augustin?

11.5.2018/ "Vogelpapst" Prof. Berthold äußert in einem aktuellen Interview die Befürchtung - verkürzt gesagt - dass unsere wild lebenden Vögel verhungern bzw. dass sie ihren Nachwuchs gar nicht mehr oder nur mangelhaft ernähren können. Deshalb empfiehlt er die ganzjährige Fütterung. Warum sollen Vögel heute nicht können, was sie früher konnten? Die Antwort vereinfacht gesagt: Die Nahrungsketten brechen ein. Zur Jungvogel-Aufzucht brauchen Vögel fett- und eiweißreiches Futter, nämlich Insekten. Die Zahl der Insekten nimmt ab. Sind zu wenige Insekten vorhanden, müssen die Altvögel auf Sämereien zurückgreifen. Wenn aber immer weniger Samen von Wildkräutern zu finden sind, gibt es auch weniger Vogelnachwuchs. Und weniger Wildpflanzen bedeutet auch zudem weniger Insekten. Ohne Insekten werden viele Kulturpflanzen nicht bestäubt, und folglich bilden sie keine Früchte aus. Platt gesagt: Ohne Insekten keine Äpfel, keine Birnen, keine Kirschen. Was tun? Jeder kann privat etwas tun. Hier nur drei simple Maßnahmen: 1) Vögel ganzjährig füttern, 2) im Garten oder auf dem Balkon solche Pflanzen verwenden, die Insekten Futter bieten, 3) betrifft Hauseigentümer: darauf verzichten, Grünflächen durch pflegeleichte Schotter- oder Pflasterflächen zu ersetzen. - Was darüber hinaus die Stadt für Insekten und Vögel tut und noch mehr tun kann, bringen wir gerade durch eine Anfrage in Erfahrung. Ergebnisse demnächst hier auf unserer Homepage.