Bildung und Erziehung

Bildungs-und Teilhabepaket: (k)eine Erfolgsstory?

28.8.2018/ Wir wissen es nicht bzw. wir wissen es nur sehr eingeschränkt. Die Bundesregierung stellt heraus, „mehr als eine Million Kinder [seien] auf staatliche Leistungen für die Anschaffung von Schulbedarf angewiesen", Tendenz steigend. Die Zahl der Kinder, die einen Anspruch auf solche Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket ("BuT"-Mittel) hätten, erfährt die Öffentlichkeit nicht. Was mitgeteilt wird, ist nur die Zahl der Kinder, die tatsächlich einen Antrag gestellt und BuT-Mittel erhalten haben. Auch die Nachfrage in der Kommune bringt keine genauen Ergebnisse. Unsere Frage an die Stadtverwaltung, wie hoch die Zahl der Kinder, die BuT-Mittel bekommen haben, im Vergleich zur Zahl der BuT-Anspruchsberechtigten ist, kann leider nicht beantwortet werden. Warum? Weil die Zuständigkeiten für Beantragung und Gewährung auf verschiedene Behörden und "Transferleistungsträger" zersplittert sind. Je nach Familiensituation sind zuständig: Wohngeldstelle, Job-Center, Kindergeldkasse der Bundesagentur für Arbeit oder zwei Hände voll „SGB XII-Leistungsträger". Und auf die Daten der meisten dieser zuständigen Organisationen erhält die Stadtverwaltung keinen Zugriff. Wie viele anspruchsberechtigte (arme) Familien überhaupt den komplizierten Weg der Beantragung beschreiten, wissen wir leider nicht. Was wir durch die Auskunft der Stadtverwaltung wissen, ist die Zahl der bewilligten Anträge im Jahr 2017. Das sind 3.495, und das sind ungefähr 6 % der Bevölkerung Sankt Augustins. Wir können sicher sein, dass die Zahl der Berechtigten beträchtlich höher liegt. Es ist eben eine Sache, über wachsende Kinderarmut zu reden, und es ist eine ganz andere Sache, die Hürden wegzuräumen, die die Inanspruchnahme eines Hilfsangebotes behindern.

Welche Erwartungen an "Gute Schule 2020"?

Neues NRW-Landesprogramm

11.10.2016/ Landesmittel für Sanierung und Modernisierung der Schul- und der Schulsport-Infrastruktur stehen für die Schulen Sankt Augustins in Höhe von jährlich rund 1,1 Millionen Euro von 2017 bis 2020 zur Verfügung. Das wirft für die Kommune als Mittel-Empfänger sofort die Frage nach der Verteilung, dem Verteilungsschlüssel und der Prioritätensetzung auf: Welche Schule bekommt wann, wieviel und für welchen Zweck? Das kann leicht zum Windhundrennen werden und zu Verstimmungen zwischen den Schulen und Streit zwischen den betroffenen Eltern führen.

 

Ein Blick in die Prioritätenliste der Projekte des Gebäudemanagements zeigt, dass die Baumaßnahmen an Schulen und Kitas höchste Priorität genießen. Denn die ersten etwa 50 Plätze in der Prioritätenliste werden fast ausschließlich von Schulen und Kitas eingenommen. Durch die zusätzlichen Mittel können vielleicht einige Maßnahmen an Schulen angepackt werden, die bisher weiter hinten in der Liste rangierten. Allerdings kann nicht unbedingt erwartet werden, dass die geplanten Maßnahmen jetzt schneller abgewickelt werden können. Der Zeitplan hängt nämlich nicht nur an fehlenden oder Jahr für Jahr genau dosierten Haushaltsmitteln. Auch die Kapazität des vorhandenen Personals ist ein begrenzender Faktor. Es stellt sich auch die Frage, wofür das Geld vom Land eingesetzt werden soll. Das Landesprogramm setzt neben der Sanierung und Verbesserung der allgemeinen Infrastruktur einen Schwerpunkt auf Maßnahmen für die digitale Bildung und schnelles Internet.

 

Der Aufbruch! meint: Bevor das Internet für die Schulen schneller gemacht wird - was zugegebenermaßen auch wichtig ist -, sollten allerdings die Gebäude in einen Zustand versetzt werden, der den Schülern und Lehrern unmissverständlich zu erkennen gibt, dass man sie ernst und wichtig nimmt. Schnelles Internet in einem Klassenraum, in den es hineinregnet, der schlecht geheizt ist und Zugluft durch undichte Fenster weht, kann nicht recht begeistern. Auch die Minderung des Lärms in den Schulgebäuden ist ein immer schon und noch immer vernachlässigtes Thema. Da allgemein anerkannt ist, dass Lärm die Gesundheit gefährdet, gilt es, endlich der Lärm-Minderung in den Räumen und in den Verkehrsflächen die gebührende Beachtung zu schenken. Denn was nützen die besten Fähigkeiten und die beste Bildung, wenn die Gesundheit beeinträchtigt wird.

 

Förderschulen und Inklusion an allgemeinen Schulen

27.1.2016/ Der Städte- und Gemeindebund NRW (StGB) hat sich in einer Pressemitteilung besorgt zum Thema Inklusion geäußert. Recht hat er: Unterschiedliche Inklusionskonzepte stünden nebeneinander, weil das Land keine Standards formuliert habe. Zudem fehle es an „Lehrkräften für sonderpädagogische Förderung, an Zeit für Absprachen und Beratung sowie an Unterstützung durch Schulpsycholog/innen und Schulsozialarbeiter/innen". Auch mangele es an Fortbildung und geeigneten Räumen, und die Klassen seien für gemeinsames Lernen zu groß. „Das Generationenprojekt Inklusion könne nur gelingen, wenn einerseits der Qualitätsanspruch definiert werde und andererseits die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung gestellt würden." Klar ist: Inklusion wird von vielen Eltern skeptisch bis ablehnend betrachtet; und das gilt für Eltern gehandicapter Kinder als auch für Eltern von Kindern ohne Handicap. Deshalb ist der Fortbestand von Förderschulen für unterschiedliche Förderbedarfe parallel zur inklusiven Beschulung nach wie vor gerechtfertigt. Aber dann muss die Förderung von Kindern in Förderschulen und inklusiv arbeitenden allgemeinen Schulen gleich gut sein. Dazu müssen vom Land solche Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass die Qualität der inklusiven Beschulung nicht von der Finanzlage der Kommune abhängig ist.

Tagesbetreuung für unter 3-Jährige

Wo steht Sankt Augustin?

4.3.2013/ Ab 01. August 2013 muss für Kinder unter drei Jahren ein Angebot an Betreuungsplätzen geschaffen sein, das 35 % der Kinder dieser Altersgruppe ermöglicht, nicht von den Eltern oder Verwandten betreut zu werden. Für die Berechnung der Betreuungsquote wird der Anteil der in Kindertageseinrichtungen oder in öffentlich geförderter Kindertagespflege, sprich Tagesmütter, betreuten Kinder an allen Kindern dieser Altersgruppe herangezogen. Die meisten Städte und Gemeinden in den alten Bundesländern sind von dieser gesetzlich festgelegten Bedarfsdeckung an Krippenplätzen noch weit entfernt. Unabhängig davon, ob eine Stadt das Erreichen der vorgeschriebenen Betreuungsquote nachweisen kann oder nicht, haben Eltern ab August 2013 einen vor Gericht einklagbaren Rechtsanspruch gegen ihre Stadt auf Bereitstellung eines Betreuungsplatzes. Das bringt Städte und Gemeinden ganz ordentlich ins Schwitzen. Dies noch umso mehr, als man inzwischen weiß, dass es mit einer Betreuungsquote von 35 % nicht getan sein wird. In manchen Städten wird schon mit einem Bedarf von bis zu 60 % eines Jahrganges gerechnet.

 

Wie ist die Lage in Sankt Augustin?

Zur Zeit verfügt die Stadt über weniger Kindertagespflegeplätze als notwendig. Die Bedarfsdeckung wird per 01. August nicht 35% wie bisher angenommen sondern nur ca. 30% betragen. Als erste Maßnahme wird die bestehende Spielgruppe des Kinderschutzbundes zur eingruppigen U3 Einrichtung aufgewertet. Darüber hinaus müssen aber weitere Einrichtungen geschaffen werden, für die sich entsprechende Träger finden lassen müssen. Und natürlich müssen dafür dringend neue Standorte gesucht und gefunden werden. Weitere Angebote bei Tagesmüttern wären natürlich auch willkommen. Alles in allem keine leichte Aufgabe für die Stadt!