Bildung und Erziehung

Aufbruch! für Vielfalt in der Schullandschaft

Wie viele Klassenzüge für welche weiterführende Schule?

15.3.2021/ Erhalten das Rhein-Sieg Gymnasium (RSG) und die Fritz-Bauer-Gesamtschule (FBG) je einen Klassenzug zusätzlich oder kriegt die Gesamtschule zwei und das RSG keinen?

Vier Sitzungen lang hat diese Frage die „AG weiterführende Schulen“ beschäftigt, bis die salomonische Lösung feststand: Jede der beiden Schulen bekommt einen Zug und zusätzlich wird an der FBG die Technik so geplant, dass eine Erweiterung möglich bleibt.

 

Die Arbeitsgruppe (Vertreter von Verwaltung, Politik, Eltern- und Schülerschaft sowie externer Schulentwicklungsplanerin Reinermann-Matatko) hatte verschiedene Kriterien zu berücksichtigen und abzuwägen: Kosten der Varianten, Einfluss der Varianten auf die gesamte Schullandschaft in Sankt Augustin, Realisierungszeit, Berücksichtigung von Inklusion und Integration, Angebotsvielfalt und – je nach Variante - die Abwanderung von Kindern an auswärtige Schulen. Bei gewissenhafter Abwägung der erarbeiteten Kriterien kam die Fraktion Aufbruch! schnell zu dem Schluss, dass der Ausbau um einen Zug sowohl am RSG als auch an der FBG erfolgen sollte.

Sabine Schmidt, sachkundige Bürgerin des Aufbruch! im Schulausschuss, zeigt sich sehr erfreut, dass auch die anderen Fraktionen zu diesem Schluss gekommen sind. „Der engagierte Austausch in den Sitzungen der Arbeitsgruppe hat gezeigt, wie wichtig allen Beteiligten das Thema Bildung ist. Mit dem Beschluss haben wir den richtigen Weg eingeschlagen. Wir werden damit den Bedarfen der beiden Schulen gerecht und tun einen entscheidenden Schritt zur Erhaltung der Vielfalt des Bildungsangebotes in Sankt Augustin. Jetzt geht es darum, die Umsetzung des Beschlossenen zügig zu beginnen.“

Digitalisierung braucht Zeit, die sie nicht hat

11.2.2021/ Die epidemische Lage hat an vielen Stellen den Finger in die Wunden der staatlichen Organisation gelegt - bis hinunter auf die kommunale Ebene. Obwohl seit Jahren abzusehen, bedurfte es eines Antrages der Fraktion Aufbruch! aus dem November 2018 ("Masterplan Digitalisierung"), um der Digitalisierung etwas mehr Schub zu verleihen. Wie übrigens fast alle Kommunen und andere Ebenen der staatlichen Verwaltung hinkt Sankt Augustin, um Jahre hinter dem Bedarf her. Kein Vorwurf ist der zuständigen Abteilung im Rathaus ("IuK") zu machen, denn die Dringlichkeit des Auf- und Ausbaues der Digitalisierung in Relation zu anderen Aufgaben ist einfach sowohl von der Verwaltungsspitze als auch von der Politik über Jahre hinweg nicht gesehen worden oder die Augen sind davor bewusst (?) verschlossen worden. Immerhin haben wir jetzt eine Fachkraft für die Medien-Entwicklungsplanung, die dem neuen Fachbereich „Schule und Bildungsplanung“ zugeordnet ist und die regelmäßig mit der Steuerungsgruppe „Medien-Entwicklungsplanung“ den Ausbau der Digitalisierung im Bildungsbereich berät und organisiert. Dass noch die grundlegenden Voraussetzungen - schnelle Internet-Anbindung, Internet-Versorgung jedes Klassenraumes - nicht überall geschaffen sind, macht schon sprachlos. Man mag es kaum glauben. Offengelegt wurde das Manko ausgerechnet durch die Corona-Epidemie, in der es äußerst hilfreich wäre, wenn die Voraussetzungen für digitalen Unterricht insgesamt schon längst geschaffen wären. Nach diesen Hardware- und Netzwerk-Grundlagen ist noch der schwierige Software-Teil zu lösen. Rein praktisch betrachtet darf es nicht so sein, dass für die Kommunikation zwischen Schule und Schüler, sobald das Thema Korrektur von Hausaufgaben aufkommt, immer noch ein Zwischenschritt in Papierform und zwei Scan- sowie zwei Up-und-Download-Schritte notwendig sind. (Laden einer Aufgabe aus dem Schul-Portal, Drucken, handschriftliches Ausfüllen, Scan erstellen, Upload zwecks Korrektur zum Lehrer-Arbeitsplatz , Drucken, handschriftliche Korrektur, Scannen, Upload zum Schüler-Arbeitsplatz). Ein für die Lehrenden und die Lernenden unzumutbar umständliches und zeitraubendes Verfahren. Leider wohl noch weitgehend und für einige Zeit die schulische Realität. Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn um zu einem papierlosen Verfahren zu kommen, müssten alle Schüler und Lehrer mit digitalen Endgeräten (iPads / Tablets) und zusätzlich mit "Whiteboards" ausgestattet sein. Aber dazu fehlt uns das Geld. Also versorgen wir pro Schule pro Jahr immer nur einen Jahrgang mit digitalen Endgeräten. Bis alle Jahrgänge dann endlich versorgt sind, sind die zuerst ausgegebenen Geräte veraltet oder kaputt oder sie können die neueste Software nicht verarbeiten. Ein Aspekt, der bisher beim Thema Digitalisierung zu kurz gekommen ist, sei hier auch nur einmal genannt: Die digitale Arbeit / das digitale Klassenzimmer muss vor Hacker-Angriffen sicher sein, damit der Unterricht effektiv von statten gehen kann. - Zum Schluss, damit wir uns nicht missverstehen, eine wichtige Anmerkung: Die digitale Ausstattung der Schulen ist nicht das Allheilmittel; aber in Normal-Zeiten eine wichtige Hilfe und in Epidemie-Zeiten ein unverzichtbarer Ersatz für den Präsenz-Unterricht.

Bildungs-und Teilhabepaket: (k)eine Erfolgsstory?

28.8.2018/ Wir wissen es nicht bzw. wir wissen es nur sehr eingeschränkt. Die Bundesregierung stellt heraus, „mehr als eine Million Kinder [seien] auf staatliche Leistungen für die Anschaffung von Schulbedarf angewiesen", Tendenz steigend. Die Zahl der Kinder, die einen Anspruch auf solche Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket ("BuT"-Mittel) hätten, erfährt die Öffentlichkeit nicht. Was mitgeteilt wird, ist nur die Zahl der Kinder, die tatsächlich einen Antrag gestellt und BuT-Mittel erhalten haben. Auch die Nachfrage in der Kommune bringt keine genauen Ergebnisse. Unsere Frage an die Stadtverwaltung, wie hoch die Zahl der Kinder, die BuT-Mittel bekommen haben, im Vergleich zur Zahl der BuT-Anspruchsberechtigten ist, kann leider nicht beantwortet werden. Warum? Weil die Zuständigkeiten für Beantragung und Gewährung auf verschiedene Behörden und "Transferleistungsträger" zersplittert sind. Je nach Familiensituation sind zuständig: Wohngeldstelle, Job-Center, Kindergeldkasse der Bundesagentur für Arbeit oder zwei Hände voll „SGB XII-Leistungsträger". Und auf die Daten der meisten dieser zuständigen Organisationen erhält die Stadtverwaltung keinen Zugriff. Wie viele anspruchsberechtigte (arme) Familien überhaupt den komplizierten Weg der Beantragung beschreiten, wissen wir leider nicht. Was wir durch die Auskunft der Stadtverwaltung wissen, ist die Zahl der bewilligten Anträge im Jahr 2017. Das sind 3.495, und das sind ungefähr 6 % der Bevölkerung Sankt Augustins. Wir können sicher sein, dass die Zahl der Berechtigten beträchtlich höher liegt. Es ist eben eine Sache, über wachsende Kinderarmut zu reden, und es ist eine ganz andere Sache, die Hürden wegzuräumen, die die Inanspruchnahme eines Hilfsangebotes behindern.