Arbeit der Fraktion
Wir wollten das ja eigentlich auch nicht!
Transparenz auch bei der Protokollierung von Abstimmungsergebnissen

Die Fraktion Aufbruch! fordert mehr Klarheit und Transparenz bei der Protokollierung von Abstimmungsergebnissen im Rat und in den Ausschüssen. Dazu hat sie einen Antrag zur Änderung der Geschäftsordnung in den Haupt- und Finanzausschuss eingebracht. In der Niederschrift über eine Abstimmung - beispielsweise im UPV-Auschuss - finden wir folgende Notierung: „9 Ja-Stimmen; 7 Nein-Stimmen“. Für den interessierten Bürger ist dabei jedoch nicht ersichtlich, welche Fraktion wie gestimmt hat.
Bürgerinnen und Bürger darüber zu informieren, wie ihre gewählten Vertreter sich bei wichtigen Fragen positioniert haben, ist ein wesentliches Mittel hin zu Offenheit und Klarheit in einer repräsentativen Demokratie. Wie sonst sollen Bürgerinnen und Bürger ihre Repräsentanten im Rat zur Verantwortung ziehen? Eine differenziertere Protokollierung der Abstimmungsergebnisse hätte nicht nur den charmanten Vorteil, dass für die Bürgerschaft Transparenz über das Abstimmungsverhalten der Fraktionen geschaffen würde, sondern auch der Wahrheitsgehalt so mancher Aussagen, wie „ Wir wollten das ja eigentlich auch nicht.“ oder „Wir standen schon immer dem Projekt kritisch gegenüber.“ usw. leichter überprüfbar wäre. Das oben angeführte Beispiel würde sich dann etwa in der Niederschrift wie folgt darstellen: „9 Ja-Stimmen (CDU/FDP) / 7 Nein-Stimmen (GRÜNE, SPD und Aufbruch!)“. Gleiches würde auch für Enthaltungen gelten, beispielsweise: „Einstimmig bei 2 Enthaltungen (SPD).“ Die noch geltende Fassung in der Geschäftsordnung stünde zwar einer numerischen Erfassung des Abstimmungsverhaltens nicht im Wege, schreibt sie aber eben auch nicht explizit vor, sondern stellt sie eher ins Belieben der einzelnen Vorsitzenden der diversen Gremien. Deshalb wollen wir dafür sorgen, dass eine differenziertere Protokollierung von Abstimmungsergebnissen in Rat und Ausschüssen verbindlich festgesetzt wird, so wie es im Kreistag in Siegburg seit Jahrzehnten Usus ist. Hier geht es zu unserem Antrag...
Ein Jahr im Sankt Augustiner Stadtrat
Das Jahr 2010 liegt hinter uns und damit auch das erste Jahr im Rat der Stadt Sankt Augustin für den Aufbruch! – Zeit für eine Bilanz unsere Arbeit im Rathaus! Was haben wir in dieser Zeit für die Bürgerinnen und Bürgern, die ihr Vertrauen bei der Kommunalwahl in uns gesetzt haben, erreichten können, um unsere Stadt lebenswerter und Vorgänge transparenter zu machen?
Gesamtschule: Schon in 2009 haben wir hohen öffentlichen Druck für eine eigene Sankt Augustiner Gesamtschule gemacht und zudem gleichzeitig die Gesamtschul-Initiative unterstützt. Maßgeblich unsere Androhung, durch einen Einwohnerantrag den Stadtrat zu einem Beschluss in dieser Sache zu zwingen, hat den Rat (außer der FDP) auf Kurs Gesamtschule gebracht. Dass u. a. durch die Halbherzigkeit der Verwaltung der erste Versuch zur Errichtung der Gesamtschule schief ging - sei's drum; im zweiten Anlauf wird es gehen.
Integration: Entscheidend beflügelt und inhaltlich beeinflusst wurden die „Leitlinien zur Integration" durch unseren Textvorschlag für eine „Charta für Vielfalt und Integration". Die Leitlinien wurden in einem Arbeitskreis erarbeitet und schließlich von den Ratsgremien beschlossen.
Jugend: Eine Diskussion über die Jugendarbeit in Sankt Augustin, insbesondere über die personelle Ausstattung für Streetwork, war das Ergebnis der Bürger-Beschwerden in unserem Bürger-Forum in Menden, die wir im Rat zum Thema machten.
Unser Vorschlag, im Jugendamt die zwei zusätzlichen Stellen einzurichten, die in einer Analyse des Jugendamtes selbst als notwendig bezeichnet worden waren, hat den Prozess der personellen Aufstockung beflügelt.
Stadtplanung: Durch unsere Aktionen wurde die Diskussion um den Standort des EDEKA-Marktes Niederpleis neu eröffnet. Und plötzlich ist der schon tot geglaubte Standort auf dem Conzen/Horn-Areal wieder ernsthaft im Spiel. Damit haben wir die Befürworter des Standortes Pleistalstraße gezwungen, aus ihren Lippenbekenntnissen zum Conzen/Horn-Standort ernsthafte Bekenntnisse zu machen.
Im Anfangsstadium der Planungen zum neuen HUMA haben wir getreu unserem Wahlversprechen bezüglich Bürgerbeteiligung eine öffentliche Veranstaltung zur Information der Bürgerinnen und Bürger über
die Pläne zu den HUMA-Gebäuden und den neuen Verkehrsführungen angeboten noch bevor die Stadt ihre erste öffentliche Veranstaltung dazu machte. Unsere gut besuchte Veranstaltung förderte interessante
und wichtige Aspekte und Fragen zu Tage, die wir als Anregungen an die Planer weitergegeben haben.
Unser konsequentes Drängen auf Freilauf-Plätze für Hunde hatte zur Folge, dass alle Fraktionen jetzt die Verwaltung drängen, im Stadtgebiet nach solchen Flächen zu suchen.
Ausschreibungen und Vergaben: Unsere Initiative hat zu einer grundlegenden Änderung im Ausschreibungs- und Vergabewesen geführt. Bis dato wurde der für Vergaben zuständige Ausschuss,
wenn er Vergabe-Entscheidungen zu treffen hatte, immer nur über das Ergebnis einer schon erfolgten Ausschreibung informiert. An Inhalt und Umfang der Ausschreibung war der Ausschuss nie beteiligt.
Das ist jetzt anders. Der „Gebäude- und Bewirtschaftungs-Ausschuss" berät und beschließt jetzt schon über die Ausschreibung selbst. Das beinhaltet auch für die Verwaltungsmitarbeiter ein Positivum:
Wenn etwas finanziell aus dem Ruder läuft, kann der Stadtrat nicht mehr so leicht sagen, man habe nichts gewusst.
Versorgung mit Gas und Strom: Wir haben uns sehr früh darauf festgelegt, zunächst das Gasnetz und später das Stromnetz in Sankt Augustin in städtisches Eigentum zu übernehmen und
dafür den Kampf mit Rhenag, Rheinenergie und RWE aufzunehmen. Die Stadt wird dann selbst die Versorgung mit Gas und Strom übernehmen können und die Gewinne, die jetzt von den Großen der Branche
eingestrichen werden, den eigenen Bürgerinnen und Bürgern zugute kommen lassen können.
Finanzen: Wir haben das groß angelegte ÖPP-Projekt zur Sanierung bzw. dem Neubau wesentlicher Sportstätten positiv, aber kritisch begleitet und frühzeitig unsere warnende Stimme
erhoben, als sich abzeichnete, dass die ÖPP-Finanzierung gegenüber der konventionellen Finanzierung keine wirtschaftlichen Vorteile bieten würde. Früh haben wir dann auch zum Ausstieg aus dem Projekt
gemahnt. Nach einigem Zögern hat der Rat dann den Ausstieg beschlossen. (Zur Erinnerung: Mit ÖPP = Öffentlich-Private Partnerschaft bezeichnet man ein Finanzierungsmodell, bei dem öffentliche
Aufgaben wie z. B. der Bau von Sportstätten oder Gebäuden von einem Privat-Unternehmen durchgeführt werden und die Stadt nur die Kosten des Betriebs des gebauten Objektes zahlt.)
Grundsätzliches:
Wir haben nicht nur darauf gedrängt, dass Schritte zur Bürger-Beteiligung bei der Beratung des Haushaltes unternommen werden, sondern wir haben auch selbst einen ersten solchen Schritt gemacht. Auf
unserer Internetseite haben wir den Bürgerinnen und Bürgern schon 2009 in Form von Ja-/ Nein-Fragen zu den wichtigsten Teilen des Haushaltes die Möglichkeit geboten, den Politikern eine
Entscheidungshilfe zu geben (siehe unten). Inzwischen ist auch der gesamte städtische Haushalt auf der Internetseite der Stadt nachzulesen.
Insgesamt hat unsere selbst praktizierte und immer wieder eingeforderte Bürger-Beteiligung inzwischen den gesamten Stadtrat infiziert. Es gibt kaum noch eine wichtige Entscheidung, zu der nicht nach Bürger-Information oder / und Bürger-Beteiligung gerufen wird.
Eine persönliche Bilanz von Carmen Schmidt

Freude und Aufregung zugleich waren die Gefühle bei der ersten Ratssitzung im Oktober 2009, an der ich zum ersten Mal in meinem Leben als Ratsmitglied teilnahm. Zwar hatte ich einen Profi an
meiner Seite, aber dennoch konnte auch er meine innere Spannung nicht lösen, als wir als Ratsmitglieder vereidigt wurden und dies gleich zweimal, weil der Bürgermeister zunächst die falsche
Eidesformel vorgelesen hatte. Vielleicht war er genauso aufgeregt wie ich.
Aber es dauerte nicht lange, da war von freudiger Aufregung nichts mehr zu spüren, sondern sie machte schlagartig dem Gefühl wütender Erregung Platz, als wir erfuhren, dass CDU, FDP, SPD und GRÜNE
schon vorab miteinander Ausschussgrößen so ausgekungelt hatten, dass die Fraktion Aufbruch! nur in drei Ausschüssen stimmberechtigt vertreten ist, nämlich im HaFA (Haupt- und Finanz-Ausschuss), im
UPV (Umwelt-, Planungs- und Verkehrs-Ausschuss) und im RPA (Rechnungsprüfungsausschuss).
Eigentlich seltsam, denn noch im Wahlkampf hatten sich die politischen Lager CDU-FDP auf der einen und GRÜNE und SPD auf der anderen Seite heftigst bekämpft, aber nach der Wahl waren sich plötzlich
alle einig, der kleinsten Fraktion das Leben so schwer wie möglich zu machen und zwar mit dem Ziel, unsere Möglichkeiten der Einflussnahme und Impulsgebung kleinzuhalten.
„So läuft also Politik", dachte ich und war verwundert, dass kein einziger dieser Feierabendpolitiker - quasi als solidarisches Zeichen der Ratsmitglieder untereinander - auf die Idee kam, dem
Aufbruch! wenigsten einen Platz als beratendes Mitglied in den übrigen Ausschüssen zukommen zu lassen.
Erst nachdem wir unter Verweis auf die einschlägigen Bestimmungen des Gesetzes (Gemeindeordnung NRW) den Bürgermeister auf unsere Rechte aufmerksam gemacht hatten, in die übrigen Ausschüssen je ein
beratendes Mitglied - wenn schon nicht stimmberechtigtes - entsenden zu dürfen, erst dann gaben die etablierten Parteien klein bei.
Mit dem Gefühl „Jetzt erst recht!" haben wir dann vor dem Hintergrund der Gesamtschuldebatte unsere erste Informations-Veranstaltung zum Thema: „Bürgerentscheid in Sankt Augustin - Konsequenzen und Perspektiven für unsere Schullandschaft" durchgeführt, weil die Mehrheitsparteien von CDU und FDP eine solche städtische Info-Veranstaltung kategorisch ablehnten.
Stadtteil-Foren verschiedener Themen wurden gern von der Bevölkerung angenommen. Allein das „EDEKA-Forum" vor einem Jahr in Niederpleis wurde von 60 Bürgern besucht, die sich rege an der Diskussion beteiligten.
Mit demselben Engagement hat der Aufbruch! gegen die ÖPP-Projekte für Sport und Bäder gekämpft, die insgesamt ein Ausgabenvolumen von 21 Millionen beinhalteten. Glücklicherweise kam dieses Projekt wegen der miserablen finanziellen Lage der Stadt nicht zustande. Dennoch musste die Stadt 330.000 Euro für Anbahnungs- und Transaktionskosten in den Wind schreiben. Rechnet man die Kosten für das gescheiterte Cross-Border-Leasing-Geschäft von 2003/2004 (Verkauf der Abwasseranlage und des Kanalnetzes an einen US-Investor) noch dazu, so hat die Stadt Sankt Augustin mehr als 1 Million für risikobehaftete Geschäfte aus dem Fenster geschmissen. Na, bravo!
Die Haushaltsberatungen für das Jahr 2010 haben mir mehr als einmal die Spucke wegbleiben lassen. Mit großen Worten propagierte die CDU einen harten Sparkurs, sah sich aber außerstande, Vorschläge zu machen, wo denn eigentlich 500.000 Euro im Haushalt 2010 eingespart werden sollten. Diese Kärrnerarbeit wollte die CDU-Fraktion der Verwaltung überlassen, die die entsprechenden Einsparpotenziale aufzeigen sollte. „Was ist das für ein Politikverständnis?", habe ich mich gefragt. So sperrig und kompliziert der städtische Haushalt auch sein mag: Er ist in Zahlen gegossene Kommunalpolitik, und diese wird von den gewählten Vertreterinnen und Vertretern bestimmt und nicht von der Verwaltung. So will es das Gesetz.
Gelernt habe ich aus alledem, dass Politik tatsächlich so ist, wie klein Erna sich das vorstellt: Je nachdem welcher Couleur oder welcher Kooperation man angehört, wird das durchgesetzt, was für die eigene Klientel von Nutzen oder der eigenen Ideologie zu Gute kommt. (Siehe gescheiterte Projekte, Gesamtschule, etc.) Was unangenehm für die eigene Wählerschaft ist, da überlässt man die Gestaltungsfreiheit gerne der Verwaltung, bei der man sich dann auch jedes Mal überschwänglich bedankt, wenn Sie einen der Mehrheit genehmen Beschlussvorschlag verfasst hat. Das ist mir übrigens als erstes aufgefallen: Sowohl in den Ausschüssen als auch bei den Ratssitzungen bedanken sich die Mitglieder dafür, dass sie das Wort erteilt bekommen haben. Wieso eigentlich? Auch ich bin auch ein höflicher Mensch, aber ich bedanke mich doch nicht bei der Ampel, nur weil sie für meine Fahrtrichtung „Grün" anzeigt. Na ja, aber das nur nebenbei.
Prägend für mich in diesem ersten Jahr im Rat waren die teilweise absurden Diskussionen um eine neue Gesamtschule in Sankt Augustin. Wir erinnern uns alle, dass die Sankt Augustiner CDU noch im Vorfeld der Elternbefragung im vergangenen Jahr versucht hatte, mit halbseitigen Anzeigen und mit wahrheitswidrigen Argumenten den Elternwillen zu beeinflussen. Die CDU scheute noch nicht einmal davor zurück, den Gesamtschulbefürwortern die Schuld dafür zu geben, dass im Falle einer Gesamtschulerrichtung in Sankt Augustin alle anderen Schulen durch ihr Begehren darunter zu leiden hätten.
Und jetzt? Jetzt setzt sich die CDU an die Spitze der Bewegung für eine stadteigene Gesamtschule und behauptet sogar, ihre Meinung über die Errichtung einer Gesamtschule nie geändert zu haben. Wer das glaubt ist selber Schuld! Vermutlich war es allein dem Wahlkampf geschuldet, dass die CDU plötzlich den Elternwillen entdeckt hat und sofort ihr Mäntelchen nach dem Wind gehängt hat.
Getoppt wird das ganze nur noch durch die Haltung der FDP, die sich bei dieser Diskussion selbst disqualifiziert hat. Sie bezweifelt nicht nur die Aussagen der Verwaltung, die schon aus
Kostengründen eine stadteigene Gesamtschule empfiehlt, sondern auch das Schulgutachten, das aufgrund sinkender Schülerzahlen nachweist, dass ein Neubau einer Gesamtschule automatisch Leerstände zur
Folge haben wird und damit über kurz oder lang das Aus für die Haupt- und Realschule in Menden bedeutet.
Eigentlich müsste einem die FDP Leid tun: Als einzige Partei hat sie bei der Kommunalwahl einen Sitz hinzugewonnen, der sie nun unweigerlich an ihr Wahlversprechen bindet, eine Gesamtschule in Menden
zu verhindern, komme was da wolle; selbst um den Preis, dass sie sich politisch damit lächerlich macht."
Auch das Theater, wer welche Anfrage oder welchen Antrag zuerst gestellt hat, und der erbitterte Kampf darum, wer dabei am Besten rauskommt, ist für mich einfach nur albern. Es gibt doch keine schwarze, grüne oder rote Kommunalpolitik, sondern nur eine gute oder schlechte. Wenn eine Seite einen Vorschlag einbringt, der die Stimme und den Willen der Bürger zum Ausdruck bringt, dann ist es mir ziemlich egal, wer den Vorschlag oder den Antrag gestellt hat, dem stimme ich als Ratsmitglied zu. Am konkreten Beispiel heißt das: Wenn fast zwei Drittel aller Eltern ihre Kinder auf eine Gesamtschule schicken wollen, dann darf die parteipolitische Ideologie keine Rolle spielen. So einfach ist das.
Auch die Diskussionskultur in einigen Ausschüssen ist schon merkwürdig. Stundenlang wird debattiert, obgleich schon alles gesagt ist. Der Kommentar hierzu von unserem Fraktionsvorsitzenden, Wolfgang Köhler, ist knapp und präzise: Ja, es ist alles gesagt, aber noch nicht von jedem!
Mein Fazit: Es war ein aufregendes, informatives und vor allen Dingen spannendes Jahr! Der Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern, Ihre Vorschläge, ihre Beschwerden und häufig ihren Unmut über kommunalpolitische Entscheidungen ernst zu nehmen und sich für sie einzusetzen, gab mir die nötige Energie, auch die noch so albernen Geplänkel und die meist konstruierten Streitigkeiten unter den unterschiedlich „gefärbten" Ratsmitgliedern zur Profilierung der eigenen Person, auszuhalten.
Zwar weiß ich, dass die kleine mit zwei Ratsmitgliedern bestückte Fraktion Aufbruch! die Sankt Augustiner Welt nicht aus den Angeln heben kann, aber das Beste, das wir erreicht haben ist, dass das Wort Bürgerbeteiligung nicht nur in Stuttgart, sondern auch in Sankt Augustin Einzug gehalten hat. Wer hätte vor einem Jahr an so frühzeitige Bürgerbeteiligung wie mit einem Forum für das neue HUMA-Center gedacht? Allein schon diese Tatsache ermuntert zum Weitermachen.
Ich freue mich schon auf die nächsten Foren, bei denen wir wieder mit den Bürgern, als den Profis vor Ort, ins Gespräch kommen, um deren Anliegen dort einzubringen, wo sie hingehören, in Stadtrat und Verwaltung.
Was ist eigentlich eine Fraktion?
Eine Fraktion im Stadtrat ist eine Gruppe von Abgeordneten - meist derselben Partei zugehörig - die sich auf Grund gemeinsamer politischer Grundüberzeugungen und Ziele zu gemeinsamem Handeln freiwillig zusammengeschlossen haben. Der Zusammenschluss zu Fraktionen wird vom Gesetzgeber ausdrücklich gewünscht, weil Fraktionen als Instrument zur Bündelung von Meinungen und Stimmen angesehen werden. Durch die daraus resultierende Beschleunigung der Willensbildung soll ein zügiger Ablauf der Verwaltung der Kommune erzielt werden. Aus diesem Grund genießen Fraktionen einige gesetzlich verbriefte Privilegien, die fraktionslosen Abgeordneten nicht zugestanden werden. So hat der Gesetzgeber geregelt, dass Fraktionen aus öffentlichen Mitteln finanzielle und sächliche Zuwendungen erhalten.
Diese Zuwendungen - nach Fraktionsgröße gestaffelt ausgezahlt - ermöglichen es den Fraktionen, im Rathaus ein Büro zu unterhalten und Mitarbeiter zu beschäftigen, die die Arbeit der Fraktion wesentlich unterstützen und vorbereiten - eine wichtige Hilfe, da die Abgeordneten nur ehrenamtlich tätig sind.
Eine große Hilfe für die Abgeordneten sind auch die „sachkundigen Bürger". Das sind, wie der Name sagt, von den Fraktionen vorgeschlagene und dann vom Rat berufene Sankt Augustiner, die im Idealfall durch ihre besondere Sachkunde die politischen Beratungen bereichern und ansonsten die Abgeordneten entlasten sollen.
Als Ehrenamtler erhalten Abgeordnete und sachkundige Bürger natürlich keine Entlohnung, sondern nur eine pauschalierte Aufwandsentschädigung bzw. pro Sitzung ein Sitzungsgeld, deren Höhe gesetzlich geregelt ist. Das Sitzungsgeld der sachkundigen Bürger beträgt in einer Stadt wie Sankt Augustin 26,00 Euro pro Sitzung, die Aufwandsentschädigung der Abgeordneten 342,00 Euro pro Monat. Die Fraktionsvorsitzenden erhalten für ihren gegenüber einfachen Abgeordneten höheren Aufwand auch einen je nach Größe der Fraktion gestaffelten Zuschlag, beim Aufbruch! 692,00 Euro.
Was geschieht mit dieser Aufwandsentschädigung?
Der Gesetzgeber geht davon aus, dass die Wahrnehmung des Ratsmandates mit einem gewissen Aufwand verbunden ist, z. B. für Fahrkosten, Büromaterial, Telefon, Fax, Internet, Verpflegung. Wollte jeder Abgeordnete diesen persönlichen Aufwand gegenüber der Stadt abrechnen, würde dies in der Stadtverwaltung einen beträchlichen personellen Aufwand mit sich bringen. Deshalb wird die Aufwandsentschädigung pauschal ausgezahlt.
Die Abgeordneten der Fraktion Aufbruch! spenden ca. ein Drittel ihrer Aufwandsentschädigung bzw die sachkundigen Bürger einen Teil ihrer Sitzungsgelder an die gemeinnützige Freie Wähler-Initiative Aufbruch Sankt Augustin e.V.. Diese Wähler-Initiative hat die Fraktion Aufbruch! hervorgebracht und finanziert die Öffentlichkeitsarbeit der Fraktion (Anzeigen, Flugblätter etc.).
Was tut eine Fraktion?
Fraktionen wirken bei der politischen Willensbildung und Entscheidungsfindung im Rat mit. Das geschieht dadurch, dass die Mitglieder einer Fraktion sich gemeinsam vor öffentlichen Äußerungen und vor Abstimmungen im Rat oder in den Ausschüssen des Rates mit den zur Diskussion stehenden Sachfragen intensiv befassen und eine gemeinsame politische Meinung und eine koordinierte Verfahrensweise beschließen. Zwar ist jeder Abgeordnete dem Gesetz nach frei in seinen Entscheidungen, kann auch bei Abstimmungen sein Stimmverhalten selbst entscheiden, aber in der Praxis stimmen alle Abgeordneten einer Fraktion gleich ab - im Idealfall, weil die vorgelagerte Diskussion sie zur gleichen Überzeugung gebracht hat.
Fraktionen können auch Öffentlichkeitsarbeit betreiben, den Bürgermeister zu Rede und Antwort bewegen, Themen auf die Tagesordnung von Rat und Ausschüssen bringen, Akteneinsicht bewirken, vom Bürgermeister Rechenschaft verlangen und Informationen begehren. Darüber hinaus ergreifen die Fraktionen politische Initiativen in Form von Anfragen und Anträgen.






